Wir sind Fans des Hamburger Sport-Vereins.
Uns eint nicht nur die Liebe zu unserem Verein, sondern auch der Wunsch, einen HSV zu gestalten, der offen für alle ist. Wir haben keinen Bock auf Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Queerfeindlichkeit oder andere diskriminierende Sinnlosigkeiten. Wir wollen weder die nationalsozialistische Vergangenheit des Vereins ausblenden, noch rechte Umtriebe bis heute. Dem aktuellen gesellschaftlichen Rechtsruck stellen wir uns entschieden entgegen und möchten diese Haltung fest in der Vereinsidentität verankern.
Unsere Struktur ist für alle, die unsere Werte teilen und sich für einen inklusiven HSV einsetzen möchten, offen.
Schreibt uns gerne, wenn ihr unsere Unterstützung braucht oder Interesse an einem Rundgang habt. Wir freuen uns auch über Anregungen, Kritik und neue Gesichter.
Was bisher geschah
- Workshops zum „HSV im Nationalsozialismus“
- Initiative zur Errichtung einer Gedenktafel am Stadion für verfolgte HSV-Mitglieder
- Ausstellung „Ins rechte Licht gerückt – Der Einfluss von rechts auf die HSV-Fanszene der 1980er Jahre“ zusammen mit dem HSV-Museum
- Beteiligung am Gedenken rund um den 27. Januar, an Adrian Maleika und an Ramazan Avcı
- Zahlreiche Veranstaltungen über die politische Entwicklung unserer Fanszene, Rassismus, rechte Gewalt im Fußball oder Frauen beim HSV
- Engagement für die Sichtbarkeit von Frauen im Fußball, z. B. durch das Buch “Raute, die"
- Projektfahrt auf den Spuren von Otto „Tull“ Harder in Hannover
- Engagement für eine Einordnung und Aufarbeitung des HSV-Kriegerdenkmals
Rundgänge auf Anfrage buchbar
- Rundgang #1 -Verfolgungsgeschichten im Nationalsozialismus:
Um die Verknüpfung von Fußball und Nationalsozialismus sichtbar zu machen, bieten wir einen etwa 6 km langen Rundgang an. Im Mittelpunkt stehen die Biographien von verfolgten HSV-Mitgliedern. Ausgehend von ihren Geschichten widmen wir uns der Frage, wie sich unser Verein im Nationalsozialismus verhalten hat und wie sich die Haltung des Vereins dazu nach der NS-Zeit verändert hat.
Startpunkt: Moorweide (Dammtor)
Endpunkt: Walter Wächter Sportplatz.
Dauer: etwa 3 Stunden
- Rundgang #2 - Gedenken am Volksparkstadion
Rund um das Volksparkstadion sind in den letzten Jahren etliche Gedenkzeichen entstanden. Während der Uwe Seeler-Fuß und das Hermann Rieger-Denkmal vielen HSV-Fans bekannt sind, gibt es andere Gedenkorte, die weniger im Fokus stehen. Interessierte erfahren hier etwas zum ehemaligen Kriegerdenkmal, zum Gedenken an Adrian Maleika, der Tafel für die im Volksparkstadion untergebrachten Zwangsarbeiter sowie zu den neuen Plänen eines Gedenkortes für die Verfolgten im Nationalsozialismus.
Startpunkt: Altonaer Friedhof (neben dem Volksparkstadion)
Endpunkt: Volksparkstadion
Dauer: etwa 2 Stunden
Ihr habt Interesse? Wir führen die Rundgänge für Gruppen ab 5 und bis 15 Personen durch. Das Angebot ist kostenlos. Schreibt uns an [email protected].
Was wir außerdem anbieten
- Unterstützung beim Besuch der KZ-Gedenkstätte Neuengamme
- Projekt- und Bildungsfahrten: Auswärtsfahrten und Erinnerungsarbeit verbinden
- Beratung im Umgang mit Diskriminierung und solidarische Unterstützung
Rückschau auf Veranstaltungen
von 2018 bis heute
„Fußball war schon immer unpolitisch“ – Eine Veranstaltungsreihe des Netzwerk Erinnerungsarbeit (2018)
In verschiedenen Formaten haben wir uns im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe mit den Themen Fußball, Politik, Nationalsozialismus und rechter Gewalt auseinandergesetzt. Nicht immer hängen all diese Dinge direkt miteinander zusammen. Dennoch gab und gibt es immer wieder Überschneidungen, auf die es sich lohnt, einen genaueren Blick zu werfen.
> Vortrag und Podiumsdiskussion „Kutten, Hools, Ultras – Die Fanszene im Wandel“
> Filmvorführung: „Blut muss fließen“ mit anschließender Fragerunde mit dem Regisseur Peter Ohlendorf
> Buchvorstellung: „Hooligans“ mit dem Autor Robert Claus
> Stadtteilrundgang: „Grindel und Rothenbaum – Die Geschichte des HSV und seiner jüdischen Mitglieder“ mit Dirk Mansen
> Vortrag „Versteckspiel – Lifestyle, Symbole und Codes von Neonazis und extrem Rechten“ mit Michael Weiss
> Workshop „HSV im Nationalsozialismus“ in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme
Frauen, Fans, Fußball – Über die Situation beim HSV (2018)
Die Ausstellung „Fan.Tastic Females – Football Her.Story“ zeigt Biografien von verschiedensten weiblichen Fans aus unterschiedlichen europäischen Ländern. Sie alle eint die bedingungslose Liebe zu ihrem Verein. Auch in Hamburg und bei unserem HSV gibt es zahlreiche weibliche Fußballfans, die sich im Vereinsleben oder der Fankultur engagieren. Darüber hinaus gibt es beim HSV auch Spielerinnen, Mitarbeiterinnen und in der Vergangenheit mit Katja Kraus auch eine Funktionärin.
In diesem Rahmen haben wir eine Podiumsrunde veranstaltet und vier Frauen vom HSV zu Wort kommen lassen. Wie ist die Situation bei ihrem Verein? Welche Entwicklungen nehmen sie wahr? Haben sie Erfahrung mit Diskriminierung und Zurückweisung als Frauen beim HSV gemacht und wenn ja, welche Strategien haben sie dagegen entwickelt? Diese und weitere Punkte diskutierten:
Geneviève Favé (HSV-Fanprojekt)
Nicola Menke (Leitung der HSV-Stiftung „Der Hamburger Weg“)
Paula Scholz (Nordtribüne Hamburg, Netz E)
Julia Zeyn (Referentin Koordinationsstelle Fanprojekte, Promotionsstipendiatin FH Potsdam zum Thema „Politische Praktiken in der Fußballfanszene“).
Moderiert wurde die Veranstaltung von Nicole Selmer (Journalistin, Ballesterer Fußballmagazin).
Begleitveranstaltungen zur Ausstellung „Ins rechte Licht gerückt“ (2021)
Seit Beginn der 1980er-Jahre und bis heute verüben Neonazis rassistische Übergriffe und Morde. Welche Rolle spielte unsere Fanszene dabei? Und wie unpolitisch kann Fußball in Zeiten von NSU und Hanau sein? Für die Ausstellung „Ins rechte Licht gerückt“ haben wir 13 Personen zu ihren Erinnerungen über die Zeit interviewt, etliche weitere Gespräche geführt und verschiedene Archive besucht. Die Veröffentlichung dieser Ausstellung wurde von zahlreichen Veranstaltungen begleitet:
> Ausstellungseröffnung im Volksparkstadion
> Film & Gespräch „Schwarze Adler“ im Lichtmess-Kino
> Öffentliche SC-Abteilungsleitungssitzung zur Ausstellung im Sportpub Tankstelle
> Podiumsveranstaltung „Rechte Gewalt in den 1980ern in Hamburg – und was heißt das für uns heute?“ im Haus des Sports
> Filmabend „Der zweite Anschlag“ im HSV-Fanhaus
> Stadtrundgang: Rechter Terror in Hamburg und das Gedenken an die Opfer
> Workshop: Rassismus heute mit Ibrahim Arslan im Volksparkstadion
Online-Podium zur Frage „Wie wollen wir gedenken?“ (2021)
Gedenken ist ein stetiger und aktiver Prozess, der mit dem Aufstellen einer Tafel nicht beendet ist. Doch wie wollen wir als HSV diesen Prozess angehen? Wie möchten wir als Verein und Fans Mitgliedern der HSV-Familie, die im Nationalsozialismus verfolgt, deportiert und ermordet wurden, gedenken? Wie gehen wir damit um, dass etliche HSVer Täter im Nationalsozialismus waren?
Wir haben zum 27.1.2021 zahlreiche Fanclubs und Vereinsgremien angeschrieben und gefragt, wie wir gedenken wollen. Um diese Ergebnisse vorzustellen und uns weiter mit dem Thema auseinanderzusetzen, veranstalteten wir ein Online-Podium. Die Referent*innen kamen aus unterschiedlichen Fußball-Kontexten und diskutierten darüber, wie Erinnerungskultur speziell beim HSV und allgemein im Fußball aussehen kann, was es dabei zu beachten gilt und wo aktuelle Herausforderungen, aber auch Chancen liegen. Mit auf dem Podium waren:
Felix Tamsut (Freier Journalist)
Juliane Röleke (Historikerin, selbstständige Bildungsreferentin)
Paula Scholz (Netzwerk Erinnerungsarbeit)
Niko Stövhase (Leiter des HSV-Museum)
Täterschaften im Nationalsozialismus – Eine Projektfahrt (nicht nur) über Otto „Tull“ Harder (2023)
Im Januar 2023 waren wir im Raum Hannover unterwegs, um uns dem Thema Täterschaften im Nationalsozialismus zu widmen. Ausgehend von der Biografie des ehemaligen HSV-Spielers und KZ-Aufsehers Otto „Tull“ Harder schauten wir uns mit dem KZ-Außenlager Hannover-Stöcken und dem KZ-Außenlager Hannover-Ahlem die Orte an, an denen Harder als Lagerführer aktiv war. Außerdem besuchten wir noch das ZeitZentrum Zivilcourage, eine ehemalige jüdische Gartenbauschule, die nun die Gedenkstätte Ahlem beheimatet, und das Frauen-KZ-Limmer.
Während wir uns zunächst vor allem der Frage nach Motivationen und Handlungsspielräumen von Täter*innen widmeten, kamen wir durch das Beispiel der Continental AG, die nahezu an jedem der besuchten Standorte eine entscheidende Rolle spielte, auch schnell auf die enge Verzahnung von Industrie und Nationalsozialismus zu sprechen. Als besonders erschreckend entpuppte sich auch an diesen Stellen der äußerst langwierige Prozess der Aufarbeitung, für den es erst das Ehrenamt und öffentlichen Druck benötigte.
Podiumsveranstaltung und Bildungsfahrten zum Thema „NS-Zwangsarbeit und Fußball“ (2024)
2024 diskutierten Paula und Jakob aus unserem Netzwerk mit Frank Fechner (ETV Hamburg), Holger Artus (Projektgruppe Italienische Militärinternierte) und Bastian Satthoff (Von einem Ort des Jubels zu einem Ort des Unrechts) über NS-Zwangsarbeit auf Hamburger Sportstätten. Im Fokus standen die Unterbringung von Zwangsarbeitenden in der „Großen Halle“ des ETV und die Unterbringung von sogenannten Italienischen Militärinternierten auf verschiedenen Sportstätten der Stadt – z. B. auch in der Tribüne des ehemaligen Volksparkstadions. Unter Einbindung der über 40 interessierten Gäste fand in den Räumlichkeiten des ETV ein reger Austausch zum Umgang der Sportvereine mit ihrem Erbe statt.
Wir nutzten zudem die Auswärtsfahrten nach Gelsenkirchen und Berlin, um mehr zum Thema Zwangsarbeit im Nationalsozialismus zu erfahren. In Gelsenkirchen trafen wir im Vorfeld unseres Auswärtsspiels die Schalker Fan-Initiative und das Schalker Fanprojekt, die uns ihre bisherigen Rechercheergebnisse zum ehemaligen Zwangsarbeiterlager in unmittelbarer Nähe der Glück-Auf-Kampfbahn vorstellten. In Berlin besuchten wir mit dem Dokuzentrum NS-Zwangsarbeit in Berlin-Schöneweide die einzige Institution am historischen Ort eines fast vollständig erhaltenen ehemaligen Zwangsarbeiterlagers inmitten eines Wohnbezirks.
Ausgezeichnet mit dem Julius Hirsch Preis
Durch die Verleihung des Julius Hirsch Preises würdigt der DFB jegliches Engagement für Vielfalt, Menschenwürde und ein respektvolles Miteinander sowie gegen Diskriminierung, Antisemitismus und Rassismus. Seit 2005 wurden rund 50 Preisträgerinnen und Preisträger aus Deutschland im Rahmen von überregional sichtbaren Preisverleihungen mit dem Julius Hirsch Preis geehrt.
2022 wurden wir mit dem 3. Platz ausgezeichnet – für die Aufarbeitung der NS-Geschichte des Vereins und die Auseinandersetzung mit Diskriminierung in der Fanszene. Der erste Preis ging an den SV Blau-Weiß Grana (Integration Geflüchteter) und der zweite Preis an den Dachverband Lernort Stadion e.V. (Demokratieförderung).
Anlässlich der Preisverleihung hat der DFB unsere Arbeit in einem Video aufbereitet: Zum Video auf YouTube.
Unsere Danksagung findet ihr auf der Seite Beiträge.
Ausgezeichnet mit dem Ehrenamtspreis des HSV
Um das Engagement im Zeichen der Raute zu würdigen und das Ehrenamt im HSV zu stärken, stimmten die HSV-Mitglieder auf der Mitgliederversammlung 2019 für die Einführung eines Ehrenamtspreises, der von der HSV-Campus gGmbH gestiftet wird und mit 1.000 € dotiert ist.
Wir sind stolze Preisträger*innen des Jahres 2023. Unsere dazugehörige Danksagung findet ihr ebenfalls auf der Seite Beiträge.